Mohamad

Mohamad (29) wurde als Sohn geflüchteter Palästinenser in Syrien geboren. Weil sein Vater Mahmud hieß, wird er von einigen aber auch Abu Mahmud genannt (Abu heißt „Sohn von“). Das Thema Flucht hat in seiner Familie eine tragische Tradition: Schon seine Großeltern waren im Kindesalter aus den besetzten Gebieten in Palästina nach Syrien geflohen. Zusammen mit seinen Eltern und seinem Bruder lebte er in einer Stadt in der Nähe von Damaskus. Gerne hätte er studiert, aber er musste die Schule nach der 9. Klasse abschließen, um Geld zu verdienen. Mit seinem Vater und dessen Team hat er als Elektriker gearbeitet, obwohl er diesen Beruf nicht sehr spannend findet. Trotzdem ging es ihm und seiner Familie bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien ganz gut. Doch als die ersten Bomben auf unsere Stadt fielen, wurde es einfach zu gefährlich. 

 

„Da haben wir gesagt, dass wir hier raus müssen. Nirgendwo war es mehr sicher.“ Mohamad hat während seiner Flucht viel erlebt und großes Glück gehabt. „Eigentlich wollte ich nicht nach Deutschland, aber der Grenzschutz hat mich in Deutschland festgenommen und ich habe mich entschieden, hierzubleiben. Ursprünglich hatte ich nach Schweden gewollt. Aber Gott sei Dank hat mich der Grenzschutz festgenommen, [lacht], weil – es ist so kalt dort! So kalt! Hier ist es wärmer und die Leute sind sehr nett. Ich habe viele deutsche Freunde. Ich habe Deutsch gelernt und war hier ein Jahr in der Schule und bei einer deutschen Frau, die mir sehr geholfen hat, Deutsch zu lernen. Sie hat mich auch sehr motiviert und bei der Wohnungssuche unterstützt! Nach einem Jahr habe ich Arbeit im Bereich Sanitär und Heizung gesucht. Ich habe hier eine Firma gefunden und dann eine Ein-Zimmer-Wohnung.“ 

 

Nun haben auch endlich wieder schöne Dinge in Mohamads Leben Platz. Seine Hobbies sind Sport, Tanzen (besonders Dabke, ein traditioneller Volkstanz), Musik und alles, was mit Dekoration zu tun hat. Er lernt Gitarre und singt in der Band Die Habibis. Dort spielen sie deutsche und syrische Lieder und übersetzen syrische Texte ins Deutsche. 

Für seine Zukunft wünscht er sich, dass sich die Lage in Syrien verbessert und er seinen Meister machen kann. Mohamad hat inzwischen seit fast zwei Jahren eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland und kann nicht nur bleiben, sondern endlich auch ganz offiziell reisen. Er möchte noch viel von Europa sehen, aber nicht mehr als Flüchtling!