Eva

Eva (26) und Samer (27) haben sich 2016 in einer Flüchtlingsunterkunft kennengelernt, in der Samer ehrenamtlich gedolmetscht hat. Obwohl beide aus Syrien kommen, sind sie ein ungewöhnliches Paar, denn Samer ist Araber und Eva Kurdin. Da Kurden an vielen Orten der Welt unterdrückt werden, auch von den Arabern, ist es ihrer Familie am Anfang schwergefallen, Samer als Freund zu akzeptieren. Ihre Verlobung haben sie dann umso größer gefeiert. In ihrer alten Heimat, der syrischen Hauptstadt Damaskus, hatte Eva eine Lehre als Kosmetikerin abgeschlossen. Wenn sie ihren Orientierungskurs beendet hat, möchte sie eine Weiterbildung im Bereich Kosmetik machen. Ihr Deutsch ist inzwischen schon ziemlich gut. 

 

Bis vor kurzem hat sich Eva noch eine Wohnung mit ihren jüngeren Geschwistern Shilan (20), Khalaf (18) und Mohamad (17) geteilt. Davor hatten sie und Shilan einige Monate bei Samer gewohnt, weil der Zustand der Flüchtlingsunterkunft so desolat war, dass sie dort nicht länger bleiben wollten. Mittlerweile haben Eva und Samer eine eigene Wohnung gefunden und wollen bald heiraten. Aufwendig soll die Hochzeit aber nicht werden; lieber möchte Eva ihre Schwester im Libanon finanziell unterstützen. 

Die Eltern haben es in die Türkei geschafft. Weil die Lebensbedingungen für Kurden unter Erdogan immer schlechter werden, hoffen sie, ihren Kinden bald nach Deutschland nachreisen zu können.

 

Samer ist 2014 alleine aus Syrien geflohen. Sein Bruder und seine Eltern leben noch in der Nähe von Damaskus. Er steht in gutem Kontakt mit Ihnen und sie haben nichts gegen die Beziehung, obwohl Eva Kurdin ist. In Syrien hat er vier Semester Informatik studiert, aber die Studienleistung wird ihm in Deutschland nicht anerkannt. Da er sehr gut Deutsch spricht, arbeitet er als Dolmetscher. Wenn er den DSH-Test (Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang) bestanden hat, möchte er ab April Medizintechnik studieren. 

 

Shilan (20) ist sehr ehrgeizig und hat schnell Deutsch gelernt. In Syrien war sie immer eine der Besten in der Schule. Sie liest gern arabischsprachige Bücher und schreibt, wenn sie traurig ist. Sie möchte später Medizin studieren. Leider kommt ihr Studienwunsch beim hiesigen Arbeitsamt nicht so gut an; sie solle lieber in einer Fabrik arbeiten, eine Ausbildung machen oder „putzen gehen“. In wenigen Wochen wird sie ihren Deutschkurs mit dem B2-Niveau abgeschlossen haben und kann sich dann für das Abitur anmelden. Wir drücken ihr die Daumen! Zu ihren Mitschülern hat sie einen guten Kontakt. Sie treffen sich oft, um zusammen für die Schule zu lernen.